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Die Geschichte des Seifenkistenrennens in Bräunsdorf
Hiermit bieten wir allen, die am Seifenkistenrennsport ihre Freude haben, einen kleinen Service.
Wie kam das Seifenkistenrennen nach Bräunsdorf und was wurde daraus gemacht. Dazu am Anfang einige Erläuterungen aus dem Fundus von Johannes Buckting ( verst. Sept. 2000 ) zu den Anfängen des Seifenkistenrennens.
Das Seifenkistenrennen ist von Anfang an mit der Entwicklung des Automobils eng verbunden.
Zu Beginn des Jahrhunderts war man bestrebt den Bürgern die pferdelosen Kutschen schmackhaft zu machen. Dies geschah durch eine Reihe von Zuverlässigkeitsfahrten, auch durch den Taunus. Dort organisierten örtliche Honoratioren gleichzeitig zur "Gordon-Benett-Fahrt" Wettbewerbe für Kinderautomobile. Der Rennerfolg hing dabei eindeutig von der Kraft des Anschiebers ab, denn Leistung zählt. Der Siegerpreis 1904 war eine Tafel Schokolade. Sie ist nicht erhalten geblieben.Und damals wie heute war ein Concours d'elegance oftmals wichtiger als Rennerfolge.
Beim damaligen Schönheitswettbewerb reichte es, die Schwester nett auszustaffieren. Bei den Pirelli - Kalendern ist es heute nicht anders.
Fazit : Weiblichkeit verkauft Autos.
So rasend wie die Entwicklung des Automobils war, so schnell folgten die Minifahrzeuge.
Es gab Unternehmen die boten der Jugend gleich solche Dinger fertig an, wie die Bielefelder Firma "Tante Voss" um 1908. Mit der breiteren Entwicklung gingen dann solche Autos vermehrt in die Träume der Jugend ein. In den zwanziger Jahren bot Ettore Bugatti sogar einen Baby - Bugatti an, allerdings mit Motor.
In den dreißiger Jahren, zur Hochblüte des Silberpfeilmotorrennsportes haben die großen Automobilhersteller Kinderfahrzeuge ähnlich den großen Vorbildern gebaut und diese Mininachbauten der Jugend für Schwerkraftrennen zur Verfügung gestellt.
Die großen Rennfahrer wie Hans Stuck, Bernd Rosemeyer und Rudolf Carraciola standen als Paten zur Verfügung.
Parallel dazu wurde 1935 dann der Name gefunden. Der kürzlich verstorbene Zeitungsreporter Myram E. Scott beobachtete Kinder, die sich wagemutig in Dayton (Ohio) mit einem selbstgebauten Wagen den Hang hinabstürzten. Als Materialhatten sie Verpackungsbretter für Seife benutzt, daher der Name. Namensgebende Seifenkiste s.h. Bild. Großspurig wurde im nächsten Jahr gleich eine Weltmeisterschaft ausgerufen und die Rennstrecke auf 300 m geradeaus festgelegt.
Erst 1948 ging es in Deutschland (West) mit Seifenkistenrennen richtig los. GM-Tochter Opel sponserte bis 1973. Grund für den Rückzug war das Negativimage durch Manipulation in den USA. Ein Fahrzeug hatte einen Magneten in der Nase eingebaut und die riesige Startklappe aus Eisen gab dem Rennwagen einen zusätzlichen Schub. Skandal auslösende Seifenkiste s.h. links. Der Rückzug von Opel stürzte die deutsche Organisation in ein tiefes Loch. Hinzu kam ein nicht mehr zeitgemäßes Reglement, eine willkürliche Altersgrenze von 16 Jahren und die unattraktiven kurzen Strecken.
In unserer Gegend gab es in Hohenstein - Ernstthal eine lange Tradition. Unvergessen sind die Ketschen - Rennen, bei denen es mangels Gefälle auf den kräftigen Anschieber ankam. Auch in Zschopau hat die DEFA einen Seifenkistenfilm gedreht.
Erst ab 1985 gab es dann eine richtige Alternative, denn Deutschland wurde in die Europäische Seifenkisten Kommission aufgenommen. Hier haben die Strecken reichlich Kurven, die angebremst werden müssen, übersichtliche Klassen und an manchen Rennwochenenden fahren die Pilotinnen und Piloten so viele Kilometer wie die Geradeausläufer in ihrem gesamten "Seifenkistenleben".
Seifenkistenrennen macht wieder richtig Spaß. Erst recht, wenn Mehrsitzer die Szene bestimmen. Viererbobs sind keine Exoten mehr.
In Bräunsdorf wird es lebendig.
Als Johannes Buckting nach der Wende seinen Arbeitsplatz nach Chemnitz verlegte, stand auch die Suche nach einen neuen Wohnsitz auf em Programm. Seine Wahl fiel auf ein Anwesen in Bräunsdorf. Zur damaligen Zeit hatte keiner eine Ahnung, was mit seinem Zuzug nach Bräunsdorf auf uns zu kam. Johannes Buckting war Mitglied der CECCAS (Commission Europeen de Course de Caisses a Savon ). Sein Hobby waren die Seifenkisten. Ob als Erfinder, Fahrer oder als Streckensprecher, sein Bekanntheitsgrad war schon bemerkenswert.
Er organisierte und veranstaltete selbst verschiedene Rennen. Die Organisation und Durchführung einer solchen Veranstaltung ist aber mit einem enormen Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Für einen Einzelnen also kaum durchführbar. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, das Johannes im Herbst 1998 uns als Feuerwehrförderverein Bräunsdorf e. V. den Vorschlag unterbreitete, die Sachsenmeisterschaften im Seifenkistenrennen zu organisieren und zu veranstalten.
Johannes Buckting als Streckensprecher
Im Januar 1999 beschlossen dann die Mitglieder der Feuerwehrfördervereins Bräunsdorf e.V. das Wagnis einzugehen und die 3. Sachsenmeisterschaften im Seifenkistenrennen zu veranstalten. Da für uns als Veranstalter die Organisation solcher Rennen noch Neuland war, wurden wir von Johannes Buckting mit seinen Erfahrungen und Verbindungen unterstützt. Als Schirmherr konnten wir den Oberbürgermeister der Stadt Limbach-Oberfrohna Herrn Dr. Rickauer gewinnen. Seit dieser Zeit werden die Sachsenmeisterschaften vom Oberbürgermeister unterstützt. Weiterhin wurden viele Sponsoren gewonnen, damit die Rennklassen und das Programmheft finanziert werden konnten.
Der erste Versuch des Feuerwehrfördervereins als neuer Ausrichter war bereits ein voller Erfolg. Der Auszug aus einer Presseinformation zeugt davon:
Sachsenmeisterschaft ein voller Erfolg
Bräunsdorf im Seifenkistenfieber
51 Schwerkraftgetriebene Rennwagen fuhren am Pfingstsamstag- und Sonntag in Bräunsdorf (Kreis Chemnitz-Land) die 3. Sachsenmeisterschaften im Seifenkistenrennen aus. Die Meisterschaft wurde diesmal vom Feuerwehrförderverein Bräunsdorf e. V. perfekt organisiert.
Am Sonnabend trübte der einsetzende Landregen noch etwas die Stimmung. Dennoch fuhren die Schwerkraftrennfahrer "was das Zeug hielt". Obwohl die Rennstrecke mit Reifenschikanen bestückt war, um die Geschwindigkeit zu drosseln, mussten in der Feuerwehrkurve kurz vor dem Ziel einige der Topfavoriten prompt Bekanntschaft mit Aquaplaning machen und Kontakt mt den Strohballen aufnehmen. Das Team Sonne aus Bräunsdorf riskierte im letzten Lauf dann nochmals alles und nach einer klassischen Pirouette mit rückwärtigem Zaunkontakt musste in einer Nachtschicht die Hinterachse gerichtet werden. Am Sonntag war dann ideales Rennwetter und ständig war die Rennstrecke auf der Oberfrohnaer Straße von Zuschauern gesäumt. Die Veranstalter sprachen dann auch stolz von deutlich mehr als 5.000 Zuschauern an beiden Tagen. Die schwerkraftgetriebenen Fahrzeuge zeigten dann auch die ganze Klasse dieses ökologischen Rennsportes.
Start auf der alten (noch wackligen) Rampe auf dem Fußweg an der Bräunsdorfer Straße. Startgenehmigung erteilen Volkmar Burkhardt (links) und Christoph Barth. Gleich im zweiten Lauf markierten Ringo Ittner und Peter Herold ( Bräunsdorf ) mit ihrm hölzernen Doppelsitzer den Streckenrekord von 1.40.22 min. Die Meßlatte war so hoch gelegt, dass es niemandem mehr gelang, die Zeit noch zu unterbieten.
Selbst Heinz Hesemann ( CECCAS ), der in seiner Rennklasse zu den europäischen Spitzenfahrern zählt, biss sich daran die Zähne aus.
Die Rennfahrer wurden immer wieder vom fachkundigen Kommentar des Streckensprechers Johannes Buckting angefeuert und die Zuschauer hatten ihre helle Freude an den humorvollen Bemerkungen.
Die Veranstalter hatten bewusst viele Rennklassen gebildet, um eine gewisse Chancengleichheit zu ermöglichen. Einige teilweise abenteuerliche Gefährte beteiligten sich am Rennen bei denen es den Piloten weniger um die Geschwindigkeit, als um den kulturellen Auftritt ging. So ging dann auch der Preis für die originellste Seifenkiste an Marcel Rudolph und Maik Steinbach aus Bräunsdorf.
Im Rennen konnten sie die Zeiten aller anderen Teilnehmer nicht erreichen. Aber ihr hellblaues Kabriolett begeisterte nicht nur die Jury, sondern auch alle Besucher. Besonderheit Ihres Wagens war die Tatsache, dass mangels Türen jedes Mal das Verdeck heruntergeklappt werden musste um ein- und auszusteigen.
Im Viererbob der Freiwilligen Feuerwehr nahmen selbst Landrat Dr. Scheurer als Mitfahrer und Limbach-Oberfrohnas OB Dr. Rickauer als Bremser Platz, um selbst dem Rausch der Schwerkraft zu erliegen. Im Ziel bremste der OB etwas zu spät und ein Gartenzaun stoppte dann die rasante Fahrt. Nach unbestätigten Berichten waren beide Politiker danach kreidebleich.
Fahrt des Teams FFW Bräunsdorf durch die 90° Linkskurve ("Thomas-Winkler-Kurve").
Die Siegerehrung war dann genauso legendär wie im vergangen Jahr. Jeder Teilnehmer bekam eine Großflasche Mineralwasser und man konnte deutlich sehen, dass alle bei der Formel 1 aufgepasst hatten, denn vielen Zuschauern wurde die abendliche Dusche erspart. Die Rennfahrerinnen und Rennfahrer waren sowieso klatschnass. Ein junger Rennfahrer fragte dann auch sofort bei der Rennleitung nach, ob man so etwas nicht am nächsten Wochenende wiederholen könne.
Die Siegerehrung der 3. Sachsenmeisterschaft:
Das Team der FFW Bräunsdorf bei der Siegerehrung durch den Oberbürgermeister der Stadt Limbach-Oberfrohna Herrn Dr. Rickauer und dem Ortsvorsteher von Bräunsdorf H. Reinsberg.
Dieser Erfolg war Ansporn für den Feuerwehrförderverein am Pfingstwochenende die Sachsenmeisterschaften in Bräunsdorf auch in Zukunft weiter durchzuführen.
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